über Islandpferde


Seit nunmehr einigen Jahrzehnten auch in Deutschland beheimatet, erfreut sich die Rasse der Islandpferde einer ungebrochenen Beliebtheit bei Reitern aller Altersstufen. Sei es für den eher gemütlichen Spazierritt, für Wanderritte oder für eine rasante sportliche Tölt- oder Passeinlage - die Einsatzmöglichkeit des Islandpferdes ist so vielseitig wie die Ansprüche der Reiter.

Die Entstehung der Islandpferde wird bis heute zum Teil kontrovers diskutiert, insbesondere die von vielen vertretene Ansicht, Isländer seien seit 1000 Jahren rein gezüchtet wird nicht von allen Hippologen geteilt. Tatsache ist jedoch, dass die Isländer aufgrund der kargen und teilweise extrem harten Lebensbedingungen auf ihrer Heimatinsel eine äußerst robuste und genügsame Rasse sind, die auch unter ungünstigen Bedingungen noch erstaunliche Leistungen vollbringen kann.

Koppel

In Deutschland leben heute um die 60.000 Islandpferde, fast genausso viele wie auf Island selbst. Aufgrund ihrer Genügsamkeit wurden und werden die Ansprüche der Islandpferde an die Haltung und Pflege von vielen Zeitgenossen unterschätzt. Das Prädikat "Robustpferde" verleitet viele Menschen dazu, diese Tiere ganzjährig auf ungeschützten, teilweise vermatschten und nur unzureichend gesicherten Weiden zu halten. Leider ist auch heute noch teilweise die Meinung vertreten, ein Robustpferd benötige weder eine Impfung, noch eine Entwurmung oder einen Hufschmied, von Mineralfutter einmal ganz abgesehen.
Wer möglichst lange an seinem Islandpferd Freude haben will - und Islandpferde können ein stolzes Alter von 30 Jahren und älter erreichen - der kommt um eine solide und artgerechte Haltung, Ausbildung und Pflege auch bei dieser Rasse nicht vorbei.
Werden die Isländer artgerecht gehalten und gut ausgebildet, so sind sie der ideale Freizeitpartner für die ganze Familie. Obwohl geduldig und trittsicher, gutartig im Charakter und im Normalfall mit einem gut regulierbaren Vorwärtsdrang ausgestattet, sollte das Temerament dieser Pferde jedoch nicht nicht unterschätzt werden. Insbesondere für die Gangarten Tölt und Pass benötigen die Islandpferde eine gehörige Portion Lauffreudigkeit, die bei unsachgemäßem Reiten durchaus Probleme bereiten kann.


Der Tölt
Sie hören nur noch ein "Black&Decker, Black&Decker, Black&Decker" und sehen nur noch wellenförmig fliegende Schweife, wehende Mähnen und hoch aufgerichtete Pferde? Dann ist wahrscheinlich gerade jemand an ihnen vorbeigetöltet!
Der bei den Isländern so beliebte Tölt ist im Idealfall ein klarer Viertakt, bei dem immer mindesten ein Huf des Pferdes auf dem Boden bleibt. Die Fußfolge ist dabei: hinten links, vorne links, hinten rechts, vorne rechts. Das Fehlen einer Schwebephase macht den Tölt sehr angenehm zu sitzen, und wer einmal dieser Gangart verfallen ist, kann sich ein töltfreies Leben auf dem Pferd fast nicht mehr vorstellen!
Der Tölt verlangt von den Pferden eine sehr gute Versammlung, eine hohe Aufrichtung und eine Menge Lauffreude. Ein faules oder unversammeltes Pferd töltet nicht. Der Rücken des Pferdes soll trotz hoher Aufrichtung nach oben gewölbt sein, der Hals gut gebogen, das Pferd durchlässig an den Hilfen.

Der Pass
Der Pass ist bei den Islandpferden ebenfalls verbreitet, wobei hier nur der sogenannte Rennpass erwünscht ist. Der Pass ist ein lateraler Zweitakt, d. h. beide Beine einer Seite bewegen sich gleichzeitig nach Vorne: vorne links und hinten links, vorne rechts und hinten rechts. Der Pass wird bei den Isländern grundsätzlich in sehr hohem Tempo und nur auf relativ kurzen Strecken geritten. Im Gegensatz zu anderen Pferderassen (z.B. den Pacer-Rassen aus USA oder Südafrika) ist der Pass bei Islandpferden keine Reisegangart wie der Tölt sondern wird hauptsächlich für sportliche Wettbewerbe gefordert.

Nicht alle Islandpferde haben eine Veranlagung zum Tölt oder Pass, es gibt durchaus auch reine Dreigangpferde. Neben den sogenannten Naturtöltern gibt es sehr viele Isländer, denen der Tölt durch eine spezielle Ausbildung beigebracht wird. Die Naturtölter und die Fünfgangpferde (Tölt und Pass) sind insbesondere bei Sportreitern begehrt und entsprechend teuer. Eine gute Veranlagung zum Tölt und Pass geht jedoch oft mit einem geringen Trabvermögen einher, so dass insbesondere der Einsatz solcher Pferde für reine Dreigang-Disziplinen (Dressur, Trail) eingeschränkt sein kann.

Gangpferde allgemein
Entgegen weit verbreiteter Lehrmeinungen sind Isländer nicht die einzige europäische Rasse mit einer Veranlagung zum Tölt oder Pass. In allen europäischen Länder gab es lange Zeit Pferderassen mit Tölt- und Passveranlagung, die insbesondere als Reisepferde sehr beliebt waren. Die aus dem Mittelalter bekannten "Zelter" sind solche töltenden Rassen. Mit dem vermehrten Einsatz von Kutschen als Personen-Transportmittel und der Bildung einer "geordneten" Kavallerie, wurden die Tölter und Passpferde aus der Zucht verdrängt. Da die meisten Tölter und Passgänger ihre ganz persönliche Idealgeschwindigkeit haben, und in der Regel keinen dauerhaft gleichmäßigen Trab besitzen, war mit diesen Rassen kein geregelter Kutschbetrieb oder Reiten in militärisch geordneter Formation möglich.
Reste der früheren Tölt- und Passveranlagung haben sich aber in beinahe allen primitiven, mehr oder weniger unveredelten Rassen, insbesondere in den weniger "zivilisierten" (mit weniger Infrastruktur durchsetzten) Landstrichen Europas erhalten. Als Beispiel seien nur die griechischen Arravanis genannt, oder die vielen Gebirgspony-Rassen die bis heute Tölter und Passgänger hervorbringen.
Außerhalb Europas haben sich sehr viele Rassen entwickelt oder erhalten, die eine dem Tölt sehr ähnliche oder identische Gangart gehen. Insbesondere in Amerika (Nord- und Südamerika) und in Südafrika gibt es heute eine florierende Zucht von sogenannten Gangpferden. In fast allen Ländern außerhalb Europas gibt es Rassen mit Gangveranlagung, die z.T. sogar auf alte europäische Rassen zurückgehen. Interessanterweise werden in diesen Ländern auch solche Rassen im Tölt und Pass geritten, die bei uns nur als Dreigänger bekannt sind, zum Beispiel auch der Araber.
Ein wenig bekannter, jedoch ebenfalls bemerkenswerter Umstand: Viele andere Tierarten, z.B. Hunde gehen ebenfalls in einer Viertaktgangart, die mit dem Tölt vergleichbar ist. Einige Tiere, wie z.B. Elefanten kennen als schnellere Gangart nur den Tölt.
Wer also denkt, Tölt und Pass seien nur eine "Spinnerei" der Isländer wird feststellen, dass es eigentlich genau umgekehrt ist: Mittel- und Westeuropa sind weltweit die einzigen Regionen, in der die gangveranlagten Pferde aus Gründen der "Ordnung" und des Gleichschrittes beinahe - aber zum Glück nur beinahe - ausgerottet wurden.

Literaturtipps:

  • Reynirs Islandpferde-Reitschule, Reynir Adalsteinsson, Gabriele Hampel
  • Sagenhafte Islandpferde, Christiane Gohl
  • Islandpferde Reitlehre, Andrea-Katharina Rostock, Walter Feldmann, erhältlich über das Ganpferdezentrum Aegidienberg, Bad Honnef
... und vieles mehr. Weitere Literatur erhalten sie z.B. unter www.amazon.de, Stichwort "Islandpferde"!

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